Übers Wochenende nach Zeeland

Übers Wochenende nach Zeeland

by Frau K. Am Meer Holland Zeeland

Vor ein paar Wochen  war Frau K. alleine unterwegs. Naja, nicht ganz alleine – zusammen mit vier anderen Journalistinnen hat sie sich auf eine Gruppenreise ins nahe Holland begeben. Genauer gesagt nach Domburg und Cadzand. Eigentlich steht sie überhaupt nicht auf Gruppenreisen, überhaupt gar nicht sogar, aber der Winter war lang, die Seeluft lockte und das Wellnessprogramm klang vielversprechend.

Wellness in Domburg und Cadzand?

Herr L. wollte das nicht glauben. Als er noch im besten Partyalter war, waren das seine beliebtesten Pfingst-Partyziele. Zelt, Schlafsack und zwei Kästen Bier im Kofferraum und ab in den Stau Richtung Holland…
Und jetzt erzählt ihm Frau K. was von Yoga am Strand, Energie tanken in der Nordsee-Erlebnisdusche und Packungen mit Algen und Meerwasser. Er zweifelt, aber das macht nichts, weil er darf eh nicht mit.

Muscheln in Zeeland

Die ersten beiden Kurorte in den Niederlanden!

Was er nicht weiß und Frau K. auch gerade erst erfahren hat – Domburg und Cadzand dürfen sich seit neustem „Seeheilbad“ nennen. Damit das möglichst viele Menschen erfahren, wird Frau K. drei Tage lang von einem Spa ins nächste kutschiert, wobei die „Nur luure, nit anpacke“ Devise gilt. Die Zeit drängt und es gilt ein umfangreiches Tages-Programm abzuarbeiten. Naja, der Badeanzug von Frau K. liegt aufgrund mangelnder Kofferpack-Diziplin zu Hause auf dem Bett und saunen ist nicht so ihr Ding. Macht also nichts. Obwohl, die Nordsee-Erlebnisdusche mit eingebautem Blitz, Donner und Dauerregen im Spa Domburg hätte sie schon gerne mal persönlich ausprobiert. Und auch die Strohbetten im Ruhebereich sahen sehr verlockend aus. Für 30 Euro pro Tag können Besucher den Spa-Bereich des Badhotels nutzen. Man muss also nicht unbedingt in dem Vier-Sterne-Haus übernachten, aber wenn man es tut muss man, nach einem langen Spa-Tag, nicht mal am Abend das Haus verlassen. Im Hotelrestaurant gibt es zwar keine Frikandel, aber dafür gut zubereiteten Fisch und Fleisch aus der Region.

Frau K. ist ja bekanntermaßen am liebsten draußen. Daher interessierte sie der angekündigte Yoga-Campingplatz ganz besonders. Eine Yogastunde sollte es auch geben und weil die Yogahose von Frau K. ihrem Badeanzug auf dem heimatlichen Bett Gesellschaft leistete, hat sie einige Energie in die Suche nach eine Ersatzhose investiert. Verschwendete Energie wie sie dann leider bald bemerken musste. Die Yogalehrerin war unpässlich oder anderweitig beschäftigt, so ganz klar wurde das nicht. Statt dessen stand eine Führung mit hohem imaginären Gehalt auf dem Programm. Der Yoga-Campingplatz bestand zum Zeitpunkt unseres Besuches noch aus einer riesigen alten Scheune und einer großen Streuobstwiese. In der Scheune fünf alte Campingwagen, die gerade entkernt und aufgehübscht wurden. Draußen ein erstes Wohnzelt im Safari-Stil, fast ganz aufgebaut 😉

YogaBee Eingang

Trotzdem ist sich Frau K. sicher, dass der Platz ganz wunderbar wird. Das bereits fertige Yoga-Retreat auf dem Nachbargrundstück ist schon sehr besonders eingerichtet. Mit viel Liebe zum Detail, luxuriösen Zimmern mit freistehender Badewanne und einem wunderschönen Übungsraum. Gekocht wird vegetarisch, gegessen an einem langen Tisch in großer Runde. Einen schönen Garten und ein ziemlich cooles Schwimmbecken gibt es auch. Absolut empfehlenswert für Yogafans mit Stilbewusstsein. Frau K. findet vor allem die Idee unter alten Apfel- und Birnbäumen zu Campen und den Sonnengruß zu machen großartig. Bei der nächstbesten Gelegenheit wird sie sich den fertigen Yoga-Campingplatz ansehen.

Einmal rundum erneuern bitte

Von Domburg geht die Reise nach Cadzand. Das ist eigentlich gar nicht so weit weg – Luft- bzw. Wasserlinie kaum mehr als 25-30 Kilometer – aber mit dem Bus dauert die Fahrt dann doch recht lange. Zeit für ein Nickerchen. Der Tag wird wieder lang und bis zum Abend sind noch einige Programmpunkte zu bewältigen. Kosmetik mit Inhaltsstoffen aus dem Meer wird vorgestellt, auf dem Quad gehts durch den Ort und über die Dünen, am Strand hängt Frau K. dann an einem Drachen und später hängt sie einen Wunsch an den Wunschbaum im Dorfzentrum von Cadzand-Dorp. Cadzand-Bad (das jetzt Bad Cadzand-Bad heißen darf ;-)) ist eine echte 70er Jahre Schönheit. Viel Waschbeton und seltsam verschachtelte Kunststoff-Fassaden. Aber der erste Eindruck täuscht. Hinter den Fassaden tut sich so einiges. Der ganze Ort erfindet sich gerade unter dem Motto „natürlich stylisch“ neu. Geplant ist ein mondäner Jachthafen, ein Boulevard im normannischen Stil, rote, grüne blaue Stadtteile. Frau K. schwirrt der Kopf nach der Präsentation der Pläne. Ein Ferienhauspark mit 450 Häusern und vielen Grachten ist bereits fertig. Die vorhandenen, etwas trostlosen 70er Jahre Hotelbauten sollen bald in neuer Optik glänzen.

Quad fahren in Cadzand
Frau K. als Meernixe
Wunschzettelbaum in Cadzand-Dorp
Drachen steigen lassen in Cadzand
Drachen steigen lassen in Cadzand
Drachen steigen lassen in Cadzand

Ein Garten in den Dünen

Ein hippes Sterne-Restaurant hätte Frau K. in dem Gebäude mit Schulschwimmbad-Charme – dem abendlichen Besuchsziel – dennoch nicht erwartet. Entsprechend beeindruckt war sie beim Anblick des Pure C.

Super entspannte Atmosphäre. Ein junger sympathischer Küchenchef. Einzigartig leckeres Essen und ein spannendes Konzept. Vom versprochenen Strandgarten mit Salzpflanzen und speziellen Kräutern war zwar noch nicht viel zu sehen, aber zumindest die Essenz der Pflanzen, die da mal wachsen sollen, gab es in flüssiger Form als Aperitif. Mit rund 80 Euro für sechs Gänge (ohne Getränke) sind die Preise noch sehr moderat. Dafür ist das Pure C auch über Wochen ausgebucht. Spontan vorbeischauen klappt eher nicht, aber es lohnt sich das Essen dort bei einem Zeelandbesuch langfristig einzuplanen.

Kräuter aus Seeland in flüssiger Form
Austern schlürfen im Pure C
Salat aus Seetang, Pure C
sechs Gänge Menüs im Pure C in Cadzand
Aromagläser Pure c
Schokomousse mit goldenen Maccarons im Pure C

Yoga am Strand

Kurz vor der Abreise gab es dann doch noch eine Portion selbst erfahrener Wellness. Frau K. absolviert eine Yogastunde am Strand. Barfuß und glücklich. Ganz im Hier und Jetzt. Als Sitzkissen dient Sand und im Hintergrund rauscht das Meer. Herrlich!

Die Hochseeangeln-Schnupperstunde direkt danach ist fast genauso entspannend. Die Fische sind noch gar nicht da. Sie Chillen im Süden, wo das Wasser wärmer ist, lässt der Angelexperte durchblicken. Das Angel auswerfen birgt also nicht die Gefahr, dass gleich ein Fisch dran zupft und erschlagen werden muss und so tritt Frau K. wenige Stunden später die Heimreise tatsächlich bestens entspannt an.

Beim nächsten, selbst organisierten Zeeland-Besuch darf Herr L. dann wieder mit. Damit er mit eigenen Augen sehen kann, dass seine ehemaligen Pfingst-Partyziele mit ihm zusammen stilvoll gealtert sind. Ich freu mich drauf.

Cadzand-Bad Strand Yoga
tiefenentspannt beim Strand Yoga
Yoga am Strand
Frau K. angelt
Angelköder
Einführung ins Hochseeangeln
Von Santa Maria di Leuca nach Santa Cesarea

Von Santa Maria di Leuca nach Santa Cesarea

by Frau K. Am Meer Italien Salento

Wir sind zu Besuch bei einem Freund. Ganz im Süden von Italien, im Stiefelabsatz, im südlichen Salento. Ein paar Tage hat Daniel uns in seinem in die Jahre gekommenen Mercedes rumkutschiert. Jetzt muss er wieder arbeiten. Der Wind weht, die Kite-Schüler warten. Damit wir nicht die ganze Zeit im schönen aber überschaubaren Lecce rumsitzen müssen leiht er uns sein Auto. Sein einziger Wunsch: „Kommt zurück bevor es dunkel wird, die vorderen Scheinwerfer sind kaputt.“ Sprach’s und verschwand Richtung Strand.

Uns freut’s. Rumgefahren werden ist toll. Vor allem wenn der Fahrer sich gut auskennt, die Sprache spricht und uns die tollsten Plätze zeigt. Aber alleine fahren ist noch toller. Die Richtung selbst bestimmen, die schönsten Plätze selbst entdecken und sich mit Händen und Füßen verständigen. So fühlt sich Urlaub an.

Unser Ziel ist der südlichste Zipfel im italienischen Stiefelabsatz – Santa Maria di Leuca. Die Fahrt von Lecce nach Leuca verläuft unspektakulär. Wir wählen die Schnellstrasse und fahren durch süditalienisches Niemandsland. Verblichene Farben, gesichtslose Dörfer nur ab und zu ein paar uralte knorrige Olivenbäume. In Leuca dann endlich das Meer. So blau und so weit. Für mich immer wieder ein beeindruckender Anblick. Ich stehe eine Weile an der Balustrade am südlichsten Punkt von Santa Mario di Leuca und starre ins Blau. Herr L. klettert auf den zerklüfteten Felsen herum – er will ein Foto machen auf dem nur Meer und Himmel zu sehen ist. Derweil reisst mich eine Gruppe Radfahrer aus meiner Meeres-Meditation: „Una fotografia per favore.“ Da sag ich doch nicht nein.

Steilküste Salento Leuca
Salento Leuca
Aussichtspunkt Leuca
Leuchtturm Salento Leuca
Radler in Leuca

Das kleine Städtchen Leuca (dessen Name aus den griechischen Wort Leucos für Licht abgeleitet wurde) war Anfang 1900 ein beliebter Ferienort für reiche Süditaliener. Gewohnt wurde in edlen Jugendstilvillen. Dort kann man sich immer noch einmieten. Aber auch für die wenige betuchte Klientel gibt es zahlreiche Übernachtungsmöglichkeiten. Im Mai ist es hier recht ruhig. Internationale Touristen finden selten den Weg so weit nach Süden. Ab und dann hält ein Bus mit Schweizer Pensionären, nimmt eine der Tavernen am Strand in Beschlag und ist schnell wieder verschwunden. Die nächste Sehenswürdigkeit ruft.

Wir nehmen uns Zeit und stärken uns erst einmal mit süßen gefüllten Hörnchen, Espresso und Tee bevor wir uns die hoch über dem Hafen gelegene Basilika Santa Maria De Finibus Terrae, die Kirche am Ende der Welt und den direkt daneben gelegenen Leuchtturm anschauen. Der Wind weht uns hier oben um die Ohren und wir denken einen Moment an Daniel, der sich gerade mit seinen Kite-Schülern abmüht. Kurz spült es eine Busladung Touristen durch die Basilika, dann haben wir sie wieder für uns. Im Vorraum der Basilika finden wir ganz unerwartet ein Souvenir, das wir für die Weiterfahrt im klapprigen Mercedes gut brauchen können.

Kirche Cristo Re in Leuca
Basilika Santa Maria de Finibus Terrae Leuca
Leuchtturm Leuca
Santa Maria de Finibus Terrae Aussenplatz

Wir fahren jetzt auf einer sehr kleinen Straße direkt an der Steilküste entlang. Rechts und links blühen hunderte von Blumen auf den Wiesen, sie gehören zum Parco Naturale Regionale Costa Otranto – S.Maria Leuca – Bosco Trickse (ganz schön komplizierter Name für ein bisschen Grün). Das Meer hat viele Höhlen und Grotten in die zerklüfteten Felswände gegraben. Wer will kann die schönsten mit dem Boot erkunden. Touren werden in jedem Ort an der Küste angeboten. Wir bleiben an Land und halten an wo immer es uns gefällt. Sehr schnell kommen wir auf die Art nicht voran, eine kleine Bucht will ich am liebsten gar nicht mehr verlassen. Fast schon habe ich den Makler angerufen, der eine entzückende Villa zum Verkauf anbietet, alleine mein magerer italienischer Wortschatz hält mich ab und dann ist da noch Herr L., der lieber einen der lustigen kleinen Steinbunker kaufen will, die alle paar Meter in der Landschaft rum stehen.

Blick aufs Meer Salento Steilküste
Treppe zur Badebucht Steilküste Salento
Badebucht Steilküste Salento
Bucht Steilküste Salento
Verkaufsschild Steilküste Salento
Bunker Steilküste Salento

Am späten Nachmittag erreichen wir Santa Cesarea, einen malerischen Ort, perfekt für eine kleine Stärkung. Auf Plastikstühlen genießen wir hervorragende Spaghetti di cozze und blicken verwundert auf ein orientalisch anmutendes Gebäude mit einer unübersehbaren orangenen Kuppel. Die Villa Sticchi, wie ich später im Netz bei „Go South East“ (ein sehr lesenswerter Blog über Italien und Griechenland) erfahre. Den Ort mit seinen wunderschönen Villen hätten wir uns gerne noch länger angeschaut, aber die Zeit drängt. Gegen neunzehn Uhr wird es dunkel und bis dahin müssen wir zurück in Lecce sein.

Gagliano del Capo
Meerblick Salento Steilküste
Angler Steilküste Salento
Alter Leuchtturm Steilküste Salento
Therme Santa Cesarea
Plastikeistüte Santa Cesarea
Küste Salento