Camping für Dummies

Camping für Dummies

by Frau K. Camping Reisen allgemein Reiseticker

Herr L. hat noch nie mehr als zwei Tage am Stück auf dem Campingplatz verbracht. Er ist ein absoluter Camping-Dummie. Bei mir ist es auch schon ziemlich lange her, dass ich im Sommerurlaub mit Kind und Freunden auf dem Campingplatz gezeltet habe.

Wie lange ist mir vor zwei Tagen in der Dusche auf einem Campingplatz in Slowenien aufgefallen. Aber dazu später.

Die erste Nacht in unserem Reisemobil

Die erste Nacht auf dem Weg nach Albanien haben wir auf dem Parkplatz vor einem Campingplatz irgendwo in Bayern übernachtet. Wir wären gerne auf den Campingplatz gefahren, aber wir sind zu spät angekommen. Die Rezeption war nicht mehr besetzt und das Camping-Restaurant war auch geschlossen. Mangels Alternativen haben wir leise unseren Kofferraum ausgeräumt und unser Bett darin aufgeschlagen. Es war ein seltsames Gefühl zum ersten Mal im Kombi zu schlafen. Ein bisschen unsortiert noch und sehr ungewohnt, aber auch wunderschön. Durch die Heckscheibe funkelten die Sterne. Kein Wölkchen am Himmel, der große Wagen direkt über uns. Und wir zwei staunend im kleinen Wagen, wie Kinder, die zum ersten Mal alleine im Zelt im Garten übernachten dürfen.

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Der nächste Morgen war nicht ganz so romantisch. Beschlagene Scheiben, Außentemperaturen im einstelligen Bereich und steife Knochen von der ungewohnt harten Matratze. Eine heiße Dusche wäre gut gewesen, aber immer noch kein Lebenszeichen an der Rezeption. Also haben wir unser Bettzeug wieder eingepackt und sind weitergefahren. Bis zur nächsten Bäckerei, weil ein heißer Kaffee oder Tee eine heiße Dusche recht gut ersetzen kann.

Camping-Tipp für Dummies: Nicht zu spät ankommen. Öffnungszeiten der Rezeption Online oder besser noch durch einen Anruf erfragen. Auf deutschen Campingplätzen ist vor allem in der Nebensaison schon am frühen Abend niemand mehr da.

Bei der zweiten Übernachtung hatten wir mehr Glück. Trotz Vollsperrung auf der Autobahn und zwei Stunden Stau haben wir den netten Besitzer erwischt, bevor er zum Fußballspiel des örtlichen Vereins entschwinden konnte.

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Unfallfrei Duschen

Es ist ja schon eine Kunst Klamotten, Waschbeutel und Handtuch in einer Camping Dusche so unterzubringen, dass sie beim Duschen nicht nass werden. Die eigentliche Herausforderung kommt aber erst beim Abtrocknen und Anziehen.

Wie schlüpft man nach dem Duschen unfallfrei und trocken in die Hosenbeine, Socken und Schuhe?

Bei mir lief das so ab: Alles abtrocknen bis auf die Füße. Ein Hosenbein mit den Zähnen festhalten. Das andere zusammenraffen. Auf einem Bein balancierend mit dem nassen Fuß durch das geraffte Hosenbein. Dann die andere Seite. Kurz durchatmen. Erneute Gewichtsverlagerung auf ein Bein. Fuß abtrocknen, Socken überstreifen und beim Absetzen möglichst den Schuh treffen. Mit dem anderen Fuß wiederholen.

Das ist eine sehr gute Übung um das Innere und Äußere Gleichgewicht in Einklang zu bringen. Es geht aber auch einfacher.

Camping-Tipp für Dummies: Fortgeschrittene Camper ersparen sich den Balanceakt und gehen einfach ohne Socken und mit Badeschlappen duschen. Profis lassen gleich noch die lange Hose weg. Ein echter Camper zeigt gerne Bein. Auch wenn es regnet und die Außentemperaturen bei unter 10 ° Celsius liegen.

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Schminken wird überbewertet

Wimpern tuschen, Augenbrauen in Form bürsten und ein wenig Farbe auf die Lippen – das ist zuhause mein tägliches Schmink-Standartprogramm. Lange brauche ich dafür nicht, schnell noch die Locken mit ein bisschen Wasser zurechtknautschen, zehn Minuten und ich bin ausgehfertig.

Die ersten drei Tage unserer Reise habe ich mir morgens meinen Schminkkram geschnappt und einen Spiegel gesucht. Am ersten Tag Standartprogramm durchgezogen, zehn Minuten, fertig. Überraschung beim Griff in die Lockenpracht – kein Auffrischen notwendig. Die feuchte Luft im Auto hat das für mich erledigt. Am zweiten Tag Verzicht auf Wimperntusche. Solange es hell ist habe ich immer die Sonnenbrille auf. Wenn es dunkel ist sieht man meine Wimpern nicht. Wozu also der Aufwand? Am dritten Tag verzückt meine rosigen Wangen und Lippen bewundert. Toller Teint, besser sehe ich auch mit Lippenstift nicht aus. Ab dem vierten Tag habe ich mir die Spiegelsuche dann ganz gespart. Die sind auf Campingplätzen eh meist beschlagen, zu hoch, zu tief oder anderweitig unbrauchbar.

Camping-Tipp für Dummies: Schminksachen am besten gleich zuhause lassen. Frische Luft, Sonnenschein und gute Laune machen einen weitaus besseren Job als jede Make-Up-Artistin.

Extra-Tipp aus der Psychokiste: die Abwesenheit von Spiegeln hebt das Selbstbewusstsein und damit auch Ausstrahlung und Aussehen in ungeahnte Höhen.

Nähzeug mitnehmen

Langes Fädchen, faules Mädchen – das waren die Worte meiner Oma, wenn sie mir beim Nähen zugeschaut hat, ich hab sie immer noch im Ohr. Als die einzig bequeme Hose in meinem Gepäck nach einer Woche an meinem Hintern begann sich selbst aufzulösen, wäre mir jede Fadenlänge recht gewesen, um sie dabei zu stoppen. Leider hatte ich das Nähzeug vergessen. Aber wie so oft im Leben, kommt Hilfe genau dann, wenn man sie braucht. In diesem Fall in Form einer netten Backpackerin im Restaurant am Nachbartisch, die zwischen Hauptgang und Dessert in aller Ruhe ihre Hosenbeine mit einem ellenlangen Faden kürzte. Beinahe hätte ich den Oma-Satz zu ihr gesagt. Beinahe. Wer weiß ob ich dann auch Nadel und Faden nicht nur geliehen sondern gleich geschenkt bekommen hätte. Selten hat mich Nähen mit so großer Zufriedenheit erfüllt. Die Hose und mein Hintern waren gerettet. Nadel und Restfaden warten seitdem sicher verstaut im Waschbeutel auf den nächsten Einsatz.

Camping-Tipp für Dummies: Nie ohne Nähset verreisen. Selbst wenn Ihr es nicht selbst braucht, es gibt immer jemanden der seines vergessen hat und sich wie Jeck freut, wenn jemand anders klüger war.

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Einer ist immer größer

Es ist wunderbar beim Einschlafen auf dem Rücken liegend in den Sternenhimmel zu blicken. Oder beim Aufwachen aus dem Fenster heraus das Meer zu sehen. Das macht die Enge und den eingeschränkten Komfort in unserem Campingbett mehr als wett. Wir haben daher unseren Standort immer mit Bedacht gewählt. Das ist kein Problem wenn man, so wie wir, in der Nebensaison unterwegs ist. Die Campingplätze sind leer und auch die besten Plätze zum Wildcampen sind meistens frei. Trotzdem ist es uns passiert, dass ein Camper auf einem großen leeren Campingplatz ausgerechnet den Platz neben uns als Lieblingsplatz erkoren hat. Ihm war anscheinend nach Gesellschaft zumute. Uns mehr nach Ausblick. Unsere Umpark-Aktion hat er mit verständnislosem (oder war es ein trauriger) Blick begleitet. Unvergessen auch der Morgen, an dem die Sonne plötzlich und mit einem lauten Rasseln von der riesigen Markise unseres spät in der Nacht angereisten Nachbarn verdunkelt wurde. Das Teil reichte fast bis an unsere Dachboxen heran.

Camping-Tipp für Dummies: Gegen Nähe bedürftige Nachbarn kann man wenig machen. Entscheidet Euch für Campingplätze mit großen, durch Büsche und Bäume abgegrenzte, Stellplätze. Fahrt beim Wildcampen nahe an die Klippe. Sorgt dafür, dass Ihr immer der Größte seid. So wie die sympathischen 4birdsoverland, die nur aus Spaß und fürs Foto so dicht neben uns parkten.

4birdsoverland

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To be continued

Sieben Wochen hat unsere erste Campingreise mit Berthold dem Benz gedauert. Inzwischen sind wir wieder zurück und bis zur nächsten Reise dauert es noch ein wenig. Falls Ihr noch ein paar Camping-Tipps für Dummies habt, immer her damit. Ich nehme sie gerne mit Verweis auf Euch und Eure Seiten hier auf.