Herr L. unterwegs in München

Herr L. unterwegs in München

by Frau K. Deutschland Herr L. unterwegs In der Stadt München

Vor ein paar Monaten waren Frau K. und Herr L. in München. Eigentlich zum Arbeiten. Aber weil der Weg dahin von Köln aus doch recht weit ist, haben sie noch ein Freizeitwochenende dran gehängt. Der Plan war, die Stadt mit dem Leih-Fahrrad zu erkunden. Das machen sie gerne so in fremden Städten. Am liebsten mit den Bahnrädern. Die sind, wenn man erstmal die Anmeldung hinter sich hat, recht unkompliziert in der Nutzung. In München hat das leider nicht geklappt. In der ganzen Stadt gab es nur zwei verfügbare Bahnräder. Das hätte ja sogar gereicht, wenn sie nicht 40 Minuten voneinander entfernt gestanden hätten…

Frau K. hat sich nur ein kleines wenig gewundert. Sie hat vor vielen Jahren ein paar Jahre in der bayrischen Hauptstadt gearbeitet und wusste daher – München ist ein Dorf – eines, dem sie im Übrigen sehr gerne den Rücken zugewandt hat.

Statt mit Fahrrädern waren wir dann mit öffentlichen Verkehrsmitteln und zu Fuß unterwegs. Ging auch. Und Herr L. hat wie immer sehr schöne Bilder von unserem Spaziergang gemacht.

Auf ein Bier nach Trier

Auf ein Bier nach Trier

by Frau K. Eifel

Das Wochenende naht und das Einfach-mal-weg-Gefühl springt mich völlig unerwartet, aber dafür sehr heftig an. Im Garten gibt es gerade nichts zu tun. Die Bienen kommen auch alleine klar. Der Mann hat nichts gegen einen Kurzurlaub. Bleibt nur die Frage wohin?

Das Wetter ist bombig, schon seit Tagen, die nahen Strände in Zeeland sind entsprechend überfüllt. Schade, Meer wäre schön gewesen. Ich habe einen neuen Badeanzug, der unbedingt getragen werden will. Die Alternatividee – eine mehrtägige Kanu-Tour auf der Lahn – wird auch schnell aussortiert. Wir sind nicht die Einzigen, dafür aber die Letzten die darauf gekommen sind. Draußen im Hof steht mein niegelnagelneues Fahrrad (ich habe zwei Jahre gebraucht um mich für ein Modell zu entscheiden, bei der Gelegenheit ein herzliches Dankeschön an Eduard von der Veloküche für seine Geduld ;-)). Eine Radtour. Warum nicht? Nur wohin?

Ausgangs- und Endpunkt müssen einfach mit der Bahn erreichbar sein. Nach kurzer Recherche landen wir beim Kylltal-Radweg. Rund hundert Kilometer entlang dem längsten Fluss der Eifel. Einmal übernachten. Am Ende ein kühles Bier bei Freunden in Trier. Das hört sich gut an. Und eine Gelegenheit für den Badeanzug einzuweihen sollte sich bei soviel Wasser doch auch ergeben…

Mit dem Fahrrad mitten durch die Eifel

Der Regionalexpress bringt uns von Köln in knapp anderthalb Stunden nach Dahlem. Anfangs ist das Radabteil noch voller Fahrräder, aber kurz vor Dahlem sind wir fast alleine. Nur zwei, drei Radfahrer steigen mit uns aus. Schon auf dem Bahnsteig finden wir die ersten Radwegschilder. Wir steigen auf und radeln los. Mein neues Rad rollt super auf seinen dicken Reifen. Die ersten Steigungen nehme ich mit einem Lächeln (und meiner Alfine 11-Gang). Nach dem Berg ist vor der Abfahrt. Und die ist auf dem Kylltal-Radweg immer länger als der Aufstieg. Der Fahrtwind im Haar fühlt sich herrlich an. Allerdings kratzt die Sonne mit ihren 31°C heißen Strahlen schon bald an unserer Kondition. Und das obwohl viele Streckenabschnitte bewaldet sind. Andere Radfahrer begegnen uns recht selten. Wir fahren an Feldern vorbei, durch luftige Mischwälder, durch Eisenbahntunnel und queren immer mal wieder die Kyll. Die Landschaft ist nicht spektakulär und Anfangs bin ich deswegen ein wenig enttäuscht. Aber ziemlich bald schon dringt das viele Grün um mich herum in mein Hirn ein. Ich schalte in den Chil-Modus.

Räder in der Bahn auf dem Weg zum Kylltalradweg
Kylltalradweg Tunnel
Gerolsteiner trinken
Kylltalradweg Laubwaldtunnel
Landschaft Kylltalradweg
Kylltalradweg durch lichte Wälder

Zumindest so lange, bis ich bei der nächsten Ministeigung wieder heftig schnaufen muss. Die Pause in Gerolstein kommt mir daher sehr gelegen. Energiespeicher auffüllen und auch die Wasserflasche. Im Bistro auf dem Marktplatz sind wir bald nicht mehr die einzigen Radfahrer. Allerdings haben sich die anderen alle dem Rennradfahrer-Dresscode unterworfen. Bunte Leibchen, knallenge Radlerhosen und ein schnittiger Helm. Ich fühle mich „under dressed“. Während sich die Nachwuchs Armstrongs und Ullrichs das dritte Bitburger hinter den Helm kippen, lasse ich mir meine anderthalb Liter Flasche Gerolsteiner mit Leitungswasser nachfüllen und kaufe bei der Gelegenheit gleich zwei Flaschen Aperetif-Essig. Den gibt es im Bistro in unzähligen Varianten. Ich entscheide mich für einen milden Passionsfruchtessig und einen wirklich umwerfenden Aprikosenessig.

Essig im Bistro in Gerolstein
Schaufenster Gerolstein
Schaufenster Gerolstein
Schaufenster Gerolstein

Der Mann will keinen Essig trinken, er geht lieber knipsen. Eines seiner Lieblingsmotive – zugeklebte Schaufenster – ist in der Einkaufsstrasse stark vertreten. Tatsächlich steht gefühlt jedes dritte Geschäft in Gerolstein leer. Bald hat er alle geknipst. Einigermaßen erholt schwingen wir uns danach wieder auf den Sattel. Strecke machen. Bis zu unserem Tagesziel Kylburg liegen noch ein paar Kilometer vor uns. Letztlich aber auch viel schneller hinter uns als wir dachten. Der Ort ist ganz nett. Er hat nur einen Makel: wir finden kein Eiscafé.

Unsere Energie ist noch nicht verbraucht und die Hoffnung auf ein Eis im nächsten Ort ist groß. Ein Fehler, wie wir sehr schnell merken. Direkt nach Kyllburg kommt die einzig nennenswerte Steigung der gesamten Strecke. Es gilt über einhundert Höhenmeter mit 13 Prozent Steigung zu überwinden. Eigentlich wollten wir schummeln und diesen Streckenabschnitt im Regionalexpress zurücklegen. Leider haben unsere Handys schon lange keinen Empfang mehr und deshalb haben wir die richtige Stelle zum Einsteigen einfach verpeilt. Pech für uns. Unten im Tal höre ich den Regionalexpress leise vorbeizischen. Ich selbst schnaufe inzwischen lauter als die erste Dampfmaschine. Dem Mann geht es nicht anders, wir schnaufen im Takt. Irgendwann haben wir es dann doch geschafft. Schade, dass mein Geld nicht für eine Rohloff-Schaltung gereicht hat, obwohl ich mir nicht ganz sicher bin, dass eine 1A-Schaltung mangelnde Kondition ausgleicht …

13 Prozent Steigung Kylltalradweg
Pause auf dem Kylltalradweg
Kylltal-Radweg 13 Prozent Steigung geschafft
Kyltalradweg Burgen und Schlösser

Eifel-Überlebens-Tipp 1: Informiere dich vorher über Übernachtungsmöglichkeiten

Der Blick von hier oben ist schön, die Fahrt nach unten noch viel schöner. Nur das nächste Dorf hält leider nicht was wir uns erhofft haben. Kein Eiscafé, kein Biergarten, keine Pension. Bis Bitburg sind es nur fünf Kilometer. Fünf Kilometer und 10 Prozent Steigung. Das schaffen wir nicht noch einmal heute. Kurz vorm Ortsausgang finden wir dann zumindest eine Pension. Und essen könnten wir am Bahnhof gegenüber sagt der Besitzer. Wenn auch kein Eis. Und schon gar nicht den Schoko-Erdbeerbecher, den ich beim letzten Aufstieg vor meinem inneren Auge gesehen habe. Im nächsten Ort gibt es zwar ein Hotel mit Gastronomie, aber das ist ausgebucht. Eine Hochzeit. Wir haben eh keine Lust mehr zum Weiterfahren. Also laden wir ab, lassen uns das Zimmer zeigen, duschen und schleppen uns zum Bahnhof. Inzwischen ist es 20 Uhr und wir haben richtig Hunger. Was wir nicht mehr haben ist Geld. Was die Bahnhofsgastronomie nicht nimmt sind EC-Karten. Und was es im ganzen Ort nicht gibt ist ein Geldautomat. Den gibt es nur in Bitburg oder in Badem. Um hinzukommen sind jeweils 10 Prozent Steigung zu überwinden. Das alles erfahren wir von Uschi, der Kneipenwirtin. Der größte Teil der Kommunikation verläuft dabei nonverbal. Auf Rechnung essen ist nicht – auch das teilt sie uns ausschließlich mit einer dezenten horizontalen Kopfbewegung mit.

Eifel-Überlebens-Tipp 2: Reise nie ohne „Cash in de Täsch“

Was nun? Wir studieren die überschaubare Speisekarte und zählen unsere letzten Kröten zusammen. Wir kommen auf 21 Euro. Das reicht für zweimal Currywurst mit Pommes und Salat (!) und vier Getränke. Die kosten alle das gleiche: freundliche zwei Euro für 0,3 Liter. Ich nehme einen Viezschorle (der leider genauso schmeckt wie ich ihn in Erinnerung habe) und überlasse dem Mann großzügig drei Bier. Dafür kriegt er nicht wie sonst was von meiner Wurst ab! Beim letzten Bier muss er kurz überlegen. In der Kneipe gibt es einen Flipper. Fünf Spiele kosten ebenfalls zwei Euro. Aber der Durst ist größer. Uschi ist inzwischen deutlich kommunikativer. Die Teller räumt sie mit einem herzlich „na, war doch gar nicht so schlimm“ ab. Ich muss lachen. Die Frau hat einen sehr feinen Humor. Zwischendurch erfreut uns Pitter, der nur mit einer Short bekleidet, seinen beachtlichen Bierbauch in die Kneipe schiebt. Im Mundwinkel eine 20 Zentimeter lange Zigarre. Rauchverbot – jibbet hier nicht. Nach ein paar Bier schlappt er wieder zu seinem Jeep. Ich habe nicht gesehen ob der die Zigarre beim Trinken rausgenommen hat. Wir sitzen draußen, der guten Eifelluft wegen…

ein Bier in Bitburg-Erdorf
Bitburg-Erdorf Kylltalradweg chillen
ein Viez in Bitburg-Erdorf

Hinter uns hält immer mal wieder ein Zug. Man merkt lange vorher wenn es wieder soweit ist. Dann fährt meist ein, manchmal auch mehrere Autos vor. Ohne persönlichen Abholservice geht hier nicht viel. Es ist friedlich. Wir sind satt. Und irgendwann soweit, dass uns auch unser Zimmer nicht mehr schreckt. Der Mann geht bezahlen. Ich bleibe sitzen. Bis er mich ruft. In der Hand eine Zwei-Euro-Münze. Im Gesicht ein fettes Grinsen. Uschi gibt uns eine Runde Flipper aus. Die Frau hat nicht nur Humor, sie hat auch Herz. Wir holen zwei Freispiele raus und verabschieden uns bestens gelaunt.

Am nächsten Morgen frühstücken wir erstmal ausgiebig. Mit vollem Magen fällt es uns leichter, unseren Zimmerwirt darüber zu informieren, dass wir kein Bargeld haben. Ich hoffe auf die Nummer mit der Rechnung. Aber die läuft nicht. Damit hat er schlechte Erfahrungen gemacht. Sehr schlechte sogar. Das macht er nicht mehr. Die Geschichte dazu erzählt er mir während wir zusammen in seinem Auto zum nächsten Bankautomaten fahren. Und dazu noch ein paar andere Geschichten über die Gegend. Der Bahnhof in Erdorf ist zum Beispiel gerade für zweieinhalb Millionen renoviert worden. Bald wird er eingeweiht. Für einen Bankautomaten oder eine Toilette hat das Geld dann leider nicht mehr gereicht. Wir unterhalten uns noch lange bevor wir uns endgültig wieder in den Sattel schwingen. Auf zum nächsten Tagesziel. Dem titelgebenden Bier in Trier.

Kylltalradweg Tunnel
Wasserfall in Hüttingen Kylltalradweg
Hüttingen kleine Abkühlung

Eifel-Überlebens-Tipp 3: Reise nie ohne eine Reserve-Stulle

Vor uns liegen ein paar kleine, aber fiese Steigungen (der beste Moment des Tages: der Radweg biegt kurz vor einer weiteren Steigung rechts ab). Dafür wird die Landschaft jetzt spannender. Wir fahren vorbei an vielen Streuobstwiesen, auch neu angelegte mit großartigen alten Obstsorten. Mich begeistern besonders die vielen üppigen Gemüsegärten in den Dörfern. In Hüttingen gibt es einen kleinen pittoresken Wasserfall und das kalte Wasser aus dem Brunnenbecken bietet eine willkommene Abkühlung. Wir treten in die Pedale und würden nach ein paar Stunden ganz gerne etwas essen. Am liebsten in einem schnuckeligen Biergarten. Ein paar mal kommen wir an einem Schild vorbei, aber immer wenn wir dann vor der Wirtschaft stehen hat diese schon seit ein paar Jahren geschlossen. Ein nettes kleines Fischerhäuschen ist leider nur das Vereinsheim des dortigen Angelvereins. Die Angler haben eine Fähre aus Wassertonnen über die Kyll gebaut. Damit ziehen sie sich bis in die Mitte und gehen dann baden. Baden will ich auch und sie verraten mir ein paar Stellen flussabwärts wo das ganz gut geht. An einer machen wir dann schließlich Rast und packen die Restbrötchen vom Vortag aus. Unglaublich wie lecker so ein altes leicht angetrocknetes Brötchen schmecken kann.

selbstgebaute Fähre Angerverein Kylltalradweg
Anglervereinsheim Kylltal-Radweg
Anglerverein Kylltalradweg
Eisenbahnbrücke über die Kyll
ein Bad in der Kyll
Pause in Holzhütte Kylltalradweg

Ich bekomme jetzt endlich die Gelegenheit meinen Badeanzug einzuweihen. Der Mann ist wasserscheu und knipst lieber ein bisschen in der Gegend rum. Tief genug zum Schwimmen ist die Kyll an der Stelle leider nicht, aber dafür sehr erfrischend. Meine Haut fühlt sich noch eine Stunde später angenehm kühl an. Während der ganzen Zeit kommt niemand an dieser idyllischen Stelle vorbei. Überlaufen ist der Kylltal-Radweg wirklich nicht. Als wir wenige Kilometer später im nächsten Ort dann doch noch an einem traumhaften Biergarten vorbeifahren sind wir nur ein ganz, ganz kleines bisschen frustriert. Trier kommt schneller näher als wir am Morgen dachten. Es geht jetzt fast nur noch bergab. Das einzige was steigt ist meine Lust auf einen Schoko-Erdbeerbecher. Vor meinem inneren Auge nimmt er riesige Ausmaße an und ich freue mich wie ein Kind, als wir in Kordel auf ein sehr reales Eiscafé stoßen.

Nach dem Eisbecher zieht sich das letzte Stück bis nach Trier überraschend lange hin und nachdem wir uns über 100 Kilometer nicht verfahren haben schaffen wir das auf den letzten Metern. Statt gemütlich auf dem Moselradweg landen wir auf der viel befahrenen Biewerer Straße. Macht nichts. Moni und Udo haben Bier und Wein kalt gestellt. Der Grill ist schon an. Aaron, Ronja und Evi kommen auch noch. Ein perfekter Ausklang für eine gelungene Radtour. Das machen wir jetzt ganz bestimmt öfter. Viele Wege führen durch die Eifel und mit unseren hart erarbeiteten Eifel-Überlebens-Tipps kann uns jetzt nichts mehr schrecken.

Eis essen in Kordel
midlifereisen selfi
Eis essen in Kordel
Burg vor Trier Kylltal-Radweg
Kurztrip nach Nürnberg

Kurztrip nach Nürnberg

by Frau K. Deutschland In der Stadt Nürnberg

Bis zu unserer nächsten großen Reise dauert es noch ein bisschen, aber wir vertreiben uns die Zeit bis dahin ganz gerne mit Kurzreisen in „Good old Germany“. Mitte März waren wir in Nürnberg. Das Romantik-Hotel Rottner hat uns zu einem Wochenende mit 4-Gänge-Menü eingeladen und wir haben die Einladung gerne angenommen.

Angereist sind wir mit der Bahn – wie immer ein Erlebnis (aber dank korrespondierender Verspätungen haben wir letztlich unser Ziel doch erreicht) – und direkt damit begonnen Nürnberg mit dem Fahrrad zu erkunden. Die konnten wir direkt im Hotel ausleihen. Bis in die Stadt waren wir stramme 20 Minuten unterwegs. Da praktisch alle Altstadtstraßen und Gassen mit Kopfsteinpflaster belegt sind, haben wir die Räder am Rand stehen gelassen und zu Fuß auf Entdeckungstour begeben.

Nürnberg fahrradtour Altstadt
Nürnberg Wandmalerei Hirsch
nürnberg Brunnen
Nürnberg Weg zur Burg

Die Brunnen in Nürnberg sind ein wenig schräg. Es war kalt und windig, vor allem auf der Burg, zu der wir pflichtschuldig hinauf gestiegen sind. Dabei ist Frau K. wieder einmal klar geworden, dass sie nicht der klassische Sehenswürdigkeitenangucker ist. Viel lieber sitzt sie in Cafés oder steht stundenlang neben Herr L. wenn der eine Fotobuchhandlung entdeckt und noch lieber erkundet sie fremde Supermärkte (eine Leidenschaft, die Herr L. immer wieder in Erstaunen versetzt). Einen Supermarkt haben wir in Nürnberg nicht betreten. Dafür sind wir sehr zufällig über einen kleinen feinen Wochenmarkt gestolpert. Neben dem üblichen Ost- und Gemüseangebot gab es dort eine sehr bunte Mischung von Spezialitätenständen.

An dreien sind wir länger hängen geblieben. Herr L. kam selbstverständlich nicht am weltbesten Käsekuchen vorbei. Schön verpackt ist einer davon in unserer Tasche gelandet. Frau K. wurde an Mounias Stand mit selbst gebackenem marokkanischem Gebäck schwach. Und zum Abschluss gab es ein Gläschen Bier aus einer regionalen Mini-Brauerei. Mini waren allerdings auch die Probiergläschen. Trotzdem hat Herr L. dem Brauer eine Flasche zum mitnehmen abgeschwatzt. Die wechselte unter der Theke den Besitzer, weil ein wieder entdecktes Gesetz den Verkauf von Bier auf Nürnberger Wochenmärkten verbietet.

Nürnberg markt überblick
Nürnberg markt Käsekuchen
Nürnberg markt bierprobe
Nürnberg markt marokkanischer stand

Hochzufrieden sind wir nach dem Marktbesuch zum Romantik-Hotel Rottner zurück geradelt und haben erst mal die Füße hochgelegt. Kraft sammeln für das 4 Gänge-Menü im dazugehörigen Gasthaus am Abend.

Zwischendrin war noch etwas Zeit für eine Führung über das Hotelgelände, zu dem ein großer Gemüse- und Obstgarten gehört. Leider waren wir recht früh im Jahr zu Besuch. Viel zu sehen gab es noch nicht. Aber Frau K. kann sich gut vorstellen wie die Felder in ein paar Monaten aussehen werden. Den Ansatz soviel Gemüse- und Obst wie möglich selbst zu produzieren, findet sie soundso extrem gut. Gerade läuft sogar die Biozertifizierung für die hoteleigene Gemüseproduktion.

Ebenfalls echt schön: der Biergarten mit den riesigen Walnussbäumen, im Sommer lässt es sich dort bestimmt traumhaft sitzen. Bei knapp 5 Grad hat es uns aber recht schnell in das gemütliche Gasthaus getrieben. Wer mag kann sich die Räume bei einem 3D-Spaziergang ansehen.

Nürnberg gasthaus Rotten abendbeleuchtung

Dort war das zehnköpfige Küchenteam bereits eifrig mit der Zubereitung des Abendessens beschäftigt. An die Außentemperatur konnten wir in der Küche ganz schnell eine Null dranhängen. Trotzdem war es extrem spannend die Abläufe in der Gasthausküche live zu erleben. Ein bisschen wirkte es wie ein modernes Tanztheater. Einer unbekannten Choreografie folgend tänzeln die Köchinnen und Köche durch die enge Küche, um Herd, Töpfe und Pfannen herum, und am Ende steht das perfekt angerichtete fertige Gericht in der Durchreiche zum Gastraum. In den sind wir auch bald verschwunden, ein bisschen erschöpft vom Tag und voller Vorfreude auf das folgende Menü.

gasthaus Rotten küche Pfannen
gasthaus rottner pfanne flammen koch
gasthaus rottner sossenzubereitung
gasthaus rottner speisenzubereitung
gasthaus rottner speisenzubereitung
gasthaus rottner koch mit pfanne
gasthaus rottner küchenteam

Das wie erwartet keine Wünsche offen ließ. Es war echt lecker. Traditionell fränkische Küche neu interpretiert. Regional und saisonal. Mit Liebe zubereitet. Was will man mehr.

Jeder einzelne Gang war überraschend. Wirklich geflasht hat uns allerdings die Käseplatte und die Schnapsauswahl. Für beides hat Frau K. eine echte Schwäche, die Entscheidung fiel entsprechend schwer.

gasthaus rottner käseplatte
gasthaus rottner käseplatte
gasthaus rottner schnapsauswahl
gasthaus rottner lüsterweibchen

Es blieb nicht bei einem Gläschen. Wir waren die letzten Gäste. Stefan und Claudia Rottner, unsere Gastgeber, gesellten sich noch zu uns. Herr L. wechselte zusammen mit dem Chef zu Bier, Frau K. mit der Chefin zum Wein. Wir haben uns sehr nett unterhalten und ganz viel spannendes über das Romantik-Hotel, das Gasthaus Rottner und die Menschen, die darin arbeiten, erfahren. Bevor ich das alles hier im Detail aufschreibe besucht lieber selbst die schön gemachte Homepage des Hotels und schaut euch die Mitarbeiterportraits an. Oder fahrt gleich selbst hin. Am besten im Sommer, wenn alles schön grün ist und das Gemüse auf den Tellern aus dem Hotelgarten kommt. Dann werden in der Scheune Kinofilme gezeigt und dazu passendes Essen serviert. Und in der Kochschule Kochkurse veranstaltet, an deren Ende ein selbst gekochtes 4-Gänge-Menü steht.

Wir sind zu sehr später Stunde langsam in das Hotelgebäude gewankt. Stefan und Claudia Rottner mussten nur die Treppe rauf gehen. Die Familie wohnt immer noch in dem schönen alten Fachwerkgebäude, in dem auch das Gasthaus untergebracht ist. Das Lüsterweibchen links im Bild hat bei unserem Abschied (wie schon den ganzen Abend über) freundlich gelächelt. Und vielleicht sogar gewinkt. Ganz genau habe ich es nicht gesehen.

Unsere Reise wurde organisiert von Reisehummel.de. DiePhaben wirklich nette Städtereisen im Programm. Schaut mal rein.

Ich möch zo foß durch Kölle jon!

Ich möch zo foß durch Kölle jon!

by Frau K. Deutschland In der Stadt Köln Wandern

Was tun wenn dich an einem wunderschönen Wochenende die Wanderlust packt, du aber nicht die geringste Lust verspürst vorher ins Auto zu steigen? Kein Problem in Köln. Alle, die nicht allzu weit vom Rhein entfernt wohnen, nehmen wir heute auf eine etwa 12 Kilometer lange Rundwanderung mit.

Der Einstieg ist quasi überall möglich. Wir beginnen die kleine Kölnwanderung linksrheinisch an der Zoobrücke.

Wer mag kann mit Europas ältester Seilschwebebahn auf die andere Seite schweben. Ich persönlich bleibe lieber mit beiden Beinen fest auf dem Boden und überquere die Brücke deshalb auf der rechten Seite zu Fuß. Herr L. nimmt Rücksicht auf meine Höhenangst und begleitet mich. Der Blick auf den Rhein und Köln ist in jedem Fall spektakulär, wird aber im Verlauf der Wanderung noch gesteigert – versprochen!

Am Ende der Zoobrücke führt ein Weg in sanften Kurven nach unten in den Rheinpark. Für Eltern mit kleinen Kindern ist die Wanderung hier mitunter schon vorbei. Der Familienpark unter der Brücke mit Minigolfanlage, Minicarbahn, Kletterwand und Trampolins ist einfach zu verlockend, und das nicht nur weil der Eintritt frei ist. Ehrlich gesagt würde mir so eine kleine Partie Minigolf auch gefallen. Aber ohne das passende Kind dazu lass ich es dann doch sein und wir wandern weiter am Rhein entlang Richtung Dom bis zur Hohenzollernbrücke.

Dort thront Friedrich Wilhelm IV majestätisch auf seinem Ross und bewacht die vielen hundert Liebesschlösser, die das Brückengitter inzwischen zu einer viel besuchten Sehenswürdigkeit machen. 2008 hat alles mit einer handvoll Schlössern begonnen. Angebracht von Liebespaaren, die danach den Schlüssel mit den Worten „für immer“ in den Rhein warfen.

Eine Weile wurde bei der Bahn tatsächlich über die Entfernung der Schlösser nachgedacht – zu viel zusätzliches Gewicht für die Brückenkonstruktion, war das Argument. Aber in Köln hat halt auch die Bahn „en großes Hätz“ und deshalb (und vielleicht auch weil der Protest über diese Herzlosigkeit, dem angeschlagenen Image des Konzerns nicht gerade förderlich war) bleiben die Schlösser hängen. Zumindest solange sie die Verkehrssicherheit nicht gefährden.

Wir lassen die Schlösser links liegen und machen einen Abstecher zum sprichwörtlichen Höhepunkt der heutigen Wanderung. In Brückenrichtung – den Dom im Rücken – erreichen wir in wenigen Metern das KölnTriangel.

Ganz oben auf dem 103,2 Meter hohen Bürogebäude hat man einen wirklich spektakulären Blick über Köln und die Umgebung. An klaren Tagen reicht die Sicht bis ins Siebengebirge.

Zurück am Rheinufer zwängen wir uns im Gänsemarsch durch eine Baustelle die noch bis Ende 2015 den Bereich zwischen der Hohenzollernbrücke und der Deutzer Brücke stark einschränkt. Fahrradfahrer, Fußgänger, Kinderwagen und Hunde machen die nächsten 500 Meter zu einem der anspruchvollsten Streckenabschnitte des Rundwegs.

Leider gibt es keine Möglichkeit den Engpass zu umgehen. Aber irgendwann sind wir durch und sobald das Bauprojekt fertig gestellt ist, gibt es einen Grund mehr die „Schäl Sick“ zu besuchen: die neue Rheintreppe wird einen wunderbaren Blick auf die Kölner Altstadt bieten.

Wir gehen jetzt wieder entspannt nebeneinander am Rhein entlang, unter der Severinsbrücke durch bis zur alten Drehbrücke. 1907 errichtet ist sie immer noch in Betrieb und ermöglicht Schiffen den Zugang zu den Liegeplätzen im Deutzer Hafen. Ein Spektakel, das leider recht selten zu beobachten ist.

Auf den nächsten beiden Kilometern quer durch die Poller Wiesen laufen wir endlich, wie bei einer „richtigen“ Wanderung, über Erde und Gras. Jetzt ist die Gelegenheit sich die Schuhe wandermäßig zu versauen und ich ergreife sie mit beiden Füßen, weil Herr L. unbedingt ein Foto von mir ganz nahe am Ufer machen will. Wenigstens bleiben meine Socken trocken und ich weiß jetzt: meine neuen Schuhe sind nicht nur unglaublich bequem, sondern auch wasserdicht.

Die Poller Wiesen stehen das ganze Jahr bei den Kölnern hoch im Kurs. Wenn die Sonne scheint wird gegrillt was das Zeug hält, wenn der Wind weht ist der Himmel voller Drachen und während der Kölner Lichter hat man hier einen wunderbaren Blick auf das Feuerwerk und die Skyline der Stadt.

Wir wechseln bei der Südbrücke die Rheinseite. Von hier aus hat man einen großartigen Blick auf die Kranhäuser und den neuen Rheinauhafen. Sechs Kilometer haben wir jetzt zurückgelegt und unser Magen knurrt ganz gewaltig. Unser nächstes Ziel ist daher eines der vielen gemütlichen Cafes in der Südstadt. Leider sind wir nicht alleine auf der Suche nach einem leckeren Stück Kuchen und es dauert eine Weile bis wir zwei freie Plätze gefunden haben. Dafür schmecken Tee, Kaffee und Kuchen umso besser als sie nach kurzer Wartezeit serviert werden.

Der Rückweg führt auf der anderen Rheinseite entlang. Ein bisschen müde von der Kaffee und Kuchenschlacht schauen wir zunächst den Skatern eine Weile bei ihren Kunststücken zu. Die neu angelegte Anlage am Rheinufer bietet zwar keine spektakulären Pipes, dafür ist sie aber mit 2.000 Quadratmetern recht weitläufig und schön gelegen.

Auch schön: Der Mix aus alten und neuen Gebäuden im neuen Rheinauhafen. Von der Südbrücke bis zur Severinsbrücke erstreckt sich das Areal. Sein Höhepunkt sind natürlich die drei 60 Meter hohen Kranhäuser mit ihren im Sonnenlicht glitzernden Fassaden. Der Kölner nennt sie liebevoll „Dreigestirn“, nach den närrischen Regenten – Prinz, Bauer und Jungfrau – aus dem Kölner Karneval.

Wer in der Südstadt keinen Platz in einem Café gefunden hat, kann es hier noch einmal probieren. Schokoladenfans sei das Café im Schokoladenmuseum empfohlen. Hier kommt die heiße Schokolade direkt von der Quelle.

Weil wir spät gestartet sind und noch im Hellen ankommen wollen, laufen wir lieber brav weiter. Vorbei an den Bierkneipen der Altstadt. Lassen die Ausflugsschiffe rechts liegen und erreichen nach einem kräftigen Marsch endlich unseren Ausgangspunkt – die Zoobrücke.

Hier endet der offizielle Teil des Stadtspaziergangs. Bis zu uns nach Hause sind es noch ein paar Meter mehr. Zuerst stärken wir uns aber im nahe gelegenen Biergarten „Altes Schwimmbad“ mit einer riesigen Schüssel Pommes, Currywurst und 1,2,3 Gläsern Kölsch. Schöner kann so eine Wanderung auch auf dem Land nicht enden.

Anfahrt

Wir haben die Tour an der Seilbahnstation (E) begonnen und beendet. Selbstverständlich kann der Einstieg auch an jedem anderen Punkt erfolgen.

Öffentliche Verkehrsmittel:

S 16 + S 18 + Bus 140, Haltestelle Köln, Riehl Zoo/Flora

Öffnungszeiten und Preise

Seilbahn

15. 03.-10.11. täglich 10-18 Uhr (letzte Hin- und Rückfahrt 17:45)

Hinfahrt Erwachsene 4,50, Kinder (4-12) 2,50, Hin- und Rückfahrt Erwachsene 6,50, Kinder (4-12) 3,70

 

KölnTriangel

01.05.-30.09. Mo-Fr 11-22 Uhr, Sa, So, Feiertage 10-22 Uhr, 01.10.-30.04. Mo-Fr 12-18 Uhr, Sa, So, Feiertage 10-18 Uhr

Erwachsene 3,00, Kinder (bis 12) frei, ab 5 Personen 2,50 pro Person

 

Lieblingsplätze

Meister Gerhard
Chlodwigplatz 6
50678 Köln

Das kleine Café hat Montag bis Freitag ab 9 Uhr, am Wochenende und an Feiertagen ab 10 Uhr geöffnet. Tolle Kuchen- und Waffelauswahl, leckere Tapas für den kleinen Hunger.

Schwimmbad
An der Schanz 2a
50735 Köln

Früher war hier wirklich ein Schwimmbad mit Blick auf den Rhein. Heute gibt es hier Pommes aus riesigen Schüsseln, leckere Currywurst und kaltes Kölsch. Sehr gemütliche Atmosphäre. Perfekt für warme Sommerabende. Bei schönem Wetter Montag bis FSamstag ab 12 Uhr, Sonntags und an Feiertagen ab 11 Uhr geöffnet.