Bei Elli und Gianna in Kapesovo

Bei Elli und Gianna in Kapesovo

by Frau K. Griechenland Kapesovo Zagorochoria

Am Ende eines langen Tages (während dem wir viele der wunderschönen Brücken im Zagorochoria überqueren durften) sind wir bei Elli in Kapesovo gelandet. Bereits unser Guide vom Vortag hat den Ort und vor allem das Cafenion wärmstens empfohlen. Auch Paris, unser Begleiter auf der Brückentour, war der Meinung wir müssten Elli, die das Cafenion in Kapesovo besitzt, und ihre Schwester Gianna unbedingt kennen lernen. Mitten in Elli’s winzigem Cafenion steht eine Zisterne. Sie wurde 1848 gebaut, ein dreizehn Meter tiefer Schacht zum Sammeln von Regenwasser, innen ausgekleidet mit einem immer noch erhaltenen Putz aus zerriebenen Muscheln und Eiweiß – ein altes Rezept um die Zisterne wasserdicht zu machen. Elli bietet in ihrem Cafenion selbst produzierte lokale Produkte an: Marmelade, Tee, getrocknete Pilze, aber auch Schmuck, Tsipouro, Likör und Wanderstäbe. Mein Favorit waren die vielen selbst gebackenen Kuchen nach alten Rezepten, darunter auch viele mit orientalischen Wurzeln aus der Zeit von Ali Pascha. Langweilig wird es Elli in ihrem Cafenion nie:

Viele Gäste denken wir seien hier sehr isoliert, aber das ist gar nicht so. Jeden Tag bekomme ich Besuch aus einem anderen Teil der Welt.

Ihre Schwester Gianna betreibt wenige Meter vom Cafenion entfernt ein kleines Gästehaus. Der Vater der beiden hat das 1875 erbaute Haus in liebevoller Kleinarbeit restauriert. Es ist ein echtes Schmuckstück.

Wirklich überwältigend aber war die Gastfreundschaft der beiden Schwestern. Elli verwöhnte uns im Cafenion mit traditionell griechischen und orientalischen Süßigkeiten und Kuchen, während Gianna mal eben ein paar typisch regionale Speisen für uns zubereitete. Wärmendes Trahana (eine cremige Suppe aus gemahlenen, mit Milch benetzen und dann getrockneten Weizen) zum Einstieg, ein Stück Pie mit Kräutern, Kartoffelpüree, verschiedene Gemüse, zartes Lammfleisch, dazu ein selbst gekelterter Wein und zum Abschluss ein Glas Tsipouro. Keine Ahnung wie wir es danach in unser Hotel geschafft haben. Beim nächsten Besuch quartieren wir uns gleich im Thoukididis ein und nehmen uns mehr Zeit die Umgebung zu erkunden. Von Kapesovo aus führt ein alter Pfad über viele hundert Stufen nach Vradeto. Leider konnten wir dieses Mal nur ein Foto davon machen. Von dort ist es nicht mehr weit zum Aussichtspunkt Beloi, der den besten Blick in die Nikos-Schlucht bieten soll.

kapesovo cafenion zisterne
selbst gemachte Produkte im Stern in Kapesovo
kapesovo eli und gianna
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kapesovo eingang gästehaus
kapesovo
kapesovo Walnüsse mit Traubenmost überzogen
Zimmer in Kapesovo
Blick aus dem Zimmer in Kapesovo
kapesovo cafenion nachts

Anreise

Die zagorischen Dörfer liegen sehr versteckt im Pindusgebirge sind aber dennoch gut zu erreichen. Wir sind von Köln in zweieinhalb Stunden nach Thessaloniki geflogen und haben dort einen Wagen gemietet. Die Fahrt nach Ioannina auf der gut ausgebauten Straße dauert knapp drei Stunden. Hinter Ioannina wird es sehr kurvig. Für die rund 20 Kilometer bis Kapesovo braucht man noch einmal eine gute Stunde (und einen stabilen Magen).

Flugkosten: ab 50 € pro Person und Strecke
Mietwagen: ab 150 € für 10 Tage

Übernachten

In Kapesovo gibt es verschiedene Übernachtungsmöglichkeiten. Die Menschen in Zagorochoria sind ausgesprochen gastfreundlich, man kann eigentlich nur gute Erfahrungen machen. Die Zimmer im Thoukididis sind sehr hell, mit tollem Blick in die umliegenden Berge und mit viel Liebe für’s Detail eingerichtet. Auf der Homepage kann man sich virtuell durch das Gästehaus bewegen und bekommt so einen guten Eindruck.

Zimmer: ca. 60 € inkl. Frühstück

Gianna packt auf Wunsch auch Lunchpakete oder kocht ein leckeres Abendessen für ihre Gäste.

Die Vikos-Schlucht

Die Vikos-Schlucht

by Frau K. Aristi Griechenland Koukouli Vikos Zagorochoria

Laut Guiness-Buch der Rekorde ist die Vikos-Schlucht im Vikos-Nationalpark mitten im griechischen Pindus-Gebirge die tiefste Schlucht der Welt. Zumindest im Verhältnis zu ihrer Breite. Sie ist jedoch in jedem Fall, ganz unabhängig von ihrer Breite, die tiefste Schlucht in die ich bislang geblickt habe.

Eigentlich wollten wir die Vikos-Schlucht durchwandern. Das dauert sechs Stunden und ist eine schweißtreibende Angelegenheit. Es brauchte wenig Überredungskunst von unserem Guide, darauf zu verzichten und statt dessen am Anfang und Ende der Schlucht einen Blick hinein zu werfen. Nach einem anstrengenden Vortag schien uns das sehr vernünftig. In Vikos sind wir den halben Weg zur Schlucht runter (30 min.) und wieder hoch (45 min.) geklettert, damit war unser Bewegungsbedürfnis erst mal befriedigt. Sehr viele Kurven später, am anderen Ende der Vikos-Schlucht angelangt hatten wir es einfacher. Zum Aussichtspunkt Oxia führt ein kurzer Weg ohne Steigungen. Wir hatten auf diesem Weg einen freundlichen Begleiter. Scheinbar verbringt der Hund seinen Tag damit, Touristen bis zum Aussichtspunkt und wieder zurück zum Auto zu begleiten. Statt Münzen nimmt er für diesen Dienst gerne ein halbes Käse-Sandwich oder ein Würstchen. Unsere Taschen waren leider leer, aber er schien sich auch über freundliche Worte zu freuen.

Die beste Zeit für eine Wanderung durch die Schlucht ist der Frühling. Im Mai und Juni führt der Voidomatis, der durch die Schlucht fließt, herrlich klares Wasser und an den Hängen blühen die zahlreiche Wildblumen und Kräuter. Ein völlig anderes Bild bietet die Schlucht im Herbst. Das Flussbett ist über weite Strecken ausgetrocknet, dafür färben sich die baumbewachsenen Hänge in allen Farben.

Fast noch beeindruckender als der Blick in die Schlucht war unser Besuch im Kloster Pareskevi. Hinter dem Kloster führt ein schmaler Pfand direkt an der steil abfallenden Felsenwand der Schlucht entlang. Keine Ahnung wie ich das mit meiner Höhenangst geschafft habe. Ich war jedenfalls mächtig stolz danach.

vikos-schlucht blick von vikos
vikos-schlucht blick von oxia
vikos-schlucht schrein
vikos-schlucht blick von oxia
vikos-schlucht Aussichtspunkt oxia
vikos-schlucht unser guide
weg beim Kloster paraskevi

Das Cafenion in Aristi

Vor unserer Fahrt zum Aussichtspunkt Oxia lag noch ein kleiner Zwischenstopp, den wir nicht verschweigen wollen. In jedem der zagorischen Dörfer gibt es ein Cafenion. Meist mitten im Dorf, nahe der Kirche, am Dorfplatz, der von einer alten Platane beschattet wird. In Aristi gibt es gleich zwei Cafenions. Eines am Dorfplatz und noch ein kleines verstecktes, in das nur wenige Touristen finden.

Es gehört Alexandra. Sie ist in Aristi geboren und hat das Cafenion nach dem Tod ihres Vaters übernommen. Früher, als er noch lebte, war es auf der anderen Straßenseite, ein paar Meter die Straße hinauf. Schon Alexandras Großvater hat in dem kleinen Laden ein Cafenion betrieben und außerdem von Seide über Lebensmittel und Kaffee alles verkauft, was die Dorfbewohner zum Leben brauchten. Im zweiten Weltkrieg wurde das Haus zerstört und dort wieder aufgebaut, wo Alexandra bis heute noch griechischen Kaffee, Bergtee und kleine Speisen anbietet. Sie hat keine eigenen Kinder und war nie verheiratet. Sie sagt, sie sei nicht traurig deswegen, aber während sie es sagt, sieht sie ein wenig traurig aus. Ein wenig, doch dann lächelt sie uns an, bringt uns Kaffee und selbstgemachte Süßigkeiten und bemuttert uns, wie sie es über die vielen Jahre mit allen Dorfbewohnern gemacht hat.

aristi cafenion alexandra
aristi cafenion Bilder
aristi cafenion der alte ofen
aristi cafenion spoonfull sweets
aristi cafenion nippes

Zu Besuch bei Vikos-Doktor Nikos in Koukouli

Am frühen Nachmittag führt uns der Hunger in das Cafenion in Koukouli. Dort zaubert uns Nikos, der sich selbst als Vikos-Doktor bezeichnet, ein leckeres Omelett und einen griechischen Salat. Die Vikos-Doktoren wussten bereits im 18. und 19. Jahrhundert um die Heilkräfte der vielen Kräuter, die im Pindus-Gebirge wachsen. Sie waren weit über die Region hinaus berühmt für ihr medizinisches Wissen. Einige der von ihnen verwendeten Kräuter, wie zum Beispiel Belladonna, werden noch heute für die gleichen Leiden wie damals eingesetzt. Die beiden Vikos-Doktoren Pantazis Exarchou und Zonias sollen sogar um die antibakterielle Wirkung von Pilzen (Penizillin) gewusst haben.

Nikos sammelt und verarbeitet Kräuter aus der Region nach alter Tradition zu Teemischungen und konserviert ihre Heilkraft in selbstgebranntem Tsipouro. Gleich drei verschiedene Tsipouros müssen wir bei ihm probieren. Er lädt mich ein im Sommer wieder zu kommen, dann will er mir alles beibringen was er über die heilsamen Kräuter weiß. Ich verspreche es und würde es auch wirklich gerne tun.

koukouli cafenion omlett
koukouli cafenion tsipouro
koukouli cafenion portrait nikos
Megalo und Micro Papingo

Megalo und Micro Papingo

by Frau K. Griechenland Papingo Zagorochoria

Megalo und Micro Papingo liegen am Ende einer schmalen und sehr kurvigen Straße mitten im griechischen Pindusgebirge. In 17 Kehren führt sie vom Tal in die beiden kleinen Dörfer und hört dort auf. Die wahrscheinlich schönste Sackgasse der Welt. Am ersten Tag hatten wir echt Mühe unseren winzigen Mietwagen durch die engen Gassen zu unserer Unterkunft zu chauffieren. Aber es war die Mühe wert. Ganz oben in Megalo Papingo gelegen, mit freiem Blick auf das beeindruckende Gebirgspanorama, sonniger Innenhof, gemütlicher Frühstücksraum und sehr stylisch eingerichtete Zimmer. Wenn die Umgebung nicht so wahnsinnig sehenswert gewesen wäre, hätten wir Papaevangelou’s Gästehaus wohl gar nicht verlassen.

Papingo Papaevangelou Gästehaus
papingo papaevangelou zimmer
papingo papaevangelou Fenster

Unser erster Weg führte uns nicht allzu weit. Auf halber Strecke zwischen Megalo und Micro Papingo liegt, ein wenig abseits von der Straße, der oder das Kolimbitrio – ein natürliches Felsschwimmbecken. Gespeist wird es vom Rogovo Rema, der weiter unten im Tal in den größeren Voidomatis fließt. Eine Staumauer aus Holz (die im Winter, wenn der kleine Fluss sich in einen reissenden Bergbach verwandelt, geöffnet wird) hält das Wasser zurück. Bei unserem Besuch im Herbst war das Becken nur halb gefüllt, aber im Sommer bietet es Patz für sechs Schwimmzüge und ist tief genug für einen Sprung vom felsigen Rand. Flussaufwärts reihen sich noch viele kleinere Becken aneinander. Am Ende der wenige hundert Meter langen Schlucht gibt es einen kleinen Wasserfall. Wagemutige nutzen ihn im Sommer als Rutschbahn in das erste Wasserbecken.

Wir sind kurz vorher in den Wald abgebogen. Unser Ziel war Jens‘ Place. Mitten im Wald, einige Meter oberhalb des Wasserfalls, hat sich in den 80ern Jens aus Deutschland ein Lager unter freiem Himmel gebaut. Über viele Jahre hat er den Sommer dort verbracht, bis es ihn in einen anderen Teil der Welt verschlagen hat. Ein  heftiges Winterunwetter hat die von ihm gebauten Skulpturen und die Einrichtung seines Lagers weitgehend zerstört, aber der Platz strömt immer noch eine besondere Stimmung aus. Viele Besucher hinterlassen hier einen Zettel, tragen sich quasi in Jens Gästebuch ein.

papingo kolimbitrio 1
papingo kolimbitrio 2
papingo jens place 1
papingo jens place
papingo Wald

Von Jens‘ Place führte unser Weg weiter nach Micro Papingo und von dort zum roten Felsen. Eine wunderbare, rund zweistündige, Wanderung über die wir bereits berichtet haben.

Am Abend waren wir zu Gast im Astra bei Spyros und Kostas Tsoumanis. Wir hatten ordentlich Hunger nach der anstrengenden Wanderung, aber den Mengen die Kostas auf unseren Tisch lud, waren wir letztlich nicht gewachsen. Rund um das Restaurant gibt es einen großen Garten. Dort wächst das meiste von dem was die beiden Brüder in ihrer Küche verarbeiten.  Auch Fleisch und Käse stammt aus eigener Herstellung. Die Eltern der beiden ziehen mit über 70 Jahren immer noch im Mai mit ihren Schafen und Ziegen in die Berge, wohnen dort im Sommer in einer Berghütte und produzieren köstlichen Käse.

Auch am nächsten Tag waren wir wieder zu Besuch bei Spyros und Kostas – sie wollten einen traditionellen Pie mit frischen Gartenkräutern für uns zubereiten. Während Herr L. fleißig fotografierte, habe ich mir im Gespräch mit drei entzückenden Damen aus Athen und Zypern die Zeit vertrieben. Und ja, ein paar Gläschen Tsipouro waren auch im Spiel.

Papingo astra Kräuter schneiden
Papino astra zutaten pie
papino astra kräuter pie
papino astra kräuter pie
papino astra kräuter pie
papino astra kräuter pie
papino astra käseplatte
papino astra tsipouro
papino astra dame aus zypern

Anreise

Die zagorischen Dörfer liegen sehr versteckt im Pindusgebirge sind aber dennoch gut zu erreichen. Wir sind von Köln in zweieinhalb Stunden nach Thessaloniki geflogen und haben dort einen Wagen gemietet. Die Fahrt nach Ioannina auf der gut ausgebauten Straße dauert knapp drei Stunden. Hinter Ioannina wird es sehr kurvig. Für die rund 30 Kilometer bis Papingo braucht man noch einmal eine gute Stunde (und einen stabilen Magen).

Flugkosten: ab 50 € pro Person und Strecke
Mietwagen: ab 150 € für 10 Tage

Übernachten

Sowohl in Megalo als auch in Micro Papingo gibt es zahlreiche Übernachtungsmöglichkeiten. Die Menschen in Zagorochoria sind ausgesprochen gastfreundlich, man kann eigentlich nur gute Erfahrungen machen. Wir haben in Megalo Papingo bei Papaevangelou übernachtet und können das Gästehaus aus ganzem Herzen empfehlen. Die Zimmer, der Ausblick, der freundliche Besitzer und das leckere Frühstück (mit selbst gemachten Marmeladen von Mama), rundherum der schöne Garten (gepflegt von Papa), einfach perfekt.

Zimmer: ca. 75 € inkl. Frühstück

Essen

Allzu viele Restaurants gibt es nicht in den überschaubaren zagorischen Dörfern. Aber dafür war es überall wo wir waren ausgesprochen lecker. Unser Lieblingsplatz in Megalo Papingo ist definitiv das Astra. Gemüse und Salat frisch aus dem Garten rund ums Restaurant. Käse aus eigener Produktion. Fleisch von eigenen Tieren und sogar der Fisch kommt aus dem eigenen Teich. Die Preise sind moderat. Ein Glas selbst gebrannter Tsipouro gehört zu jedem Essen unbedingt dazu.

Restaurant Astra

Von Dorf zu Dorf

Von Dorf zu Dorf

by Frau K. Griechenland Kapesovo Reiseticker Zagorochoria

Die zagorischen Dörfer sind durch uralte Fußwege miteinander verbunden. Bis vor einigen Jahrzehnten waren sie die einzige Verbindung zwischen den Dörfern. Heute werden sie gerne von Wanderern genutzt. In einer Stunde kommt man zu Fuß zum Beispiel von Kapesovo nach Vradeto. Eine Stunde, die es in sich hat. Der Weg führt über unzählige Treppenstufen bergauf und bergab. Für den Rückweg stellt man sich an die Straße und stoppt eines der wenigen Autos, die vorbei kommen.

Wir hatten leider nicht genug Zeit den Weg selbst zu gehen. Zwei Weinkellereien warteten auf unseren Besuch und zwischen uns und dem Wein lagen wieder einmal unzählige Kurven. Aber zumindest für einen Spaziergang durch Kapesovo und ein Foto des Weges hat es gereicht.