Maria aus dem Automaten

Maria aus dem Automaten

by Frau K. Reisesouvenirs

Wir stehen in Santa Maria di Leuca lässig auf eine Balustrade gelehnt und blicken in ein unendliches Blau. Oben zartblauer Himmel, unten tiefblaues Meer. Mehr Postkarte geht nicht. An klaren Tagen soll am Horizont das albanische Festland zu sehen sein. Heute verwischt blauer Dunst die Sicht. Am Capo Santa Maria di Leuca, am südöstlichsten Punkt von Italien, trifft das Adriatische Meer auf das Ionische Meer. Früher war hier die Welt zu Ende. Heute sind der 1846 gebaute Leuchtturm und die spätbarocke Basilika Santa Maria de Finibus Terrae beliebte Ausflugsziele vorwiegend für italienische Touristen. Hochsaison ist im August. Dann wird die Statur der Jungfrau Maria von der Basilika in die Kirche des Cristo Re gebracht, wo sie über Nacht bleibt. Bevor sie am nächsten Tag, an Maria Himmelfahrt, durch die Straßen getragen wird und schließlich, nach einem kleinen Bootsausflug in den Hafen von San Georgio, in die Basilika zurückkehrt. Für das nachfolgende Feuerwerk und die ausgiebigen Feiern hat die Dame nur noch ein nachsichtiges Lächeln übrig.

Jetzt, Anfang Mai, finden nur wenige Besucher den Weg in die Basilika. Kurz müssen wir den wunderschönen Kirchenraum mit einer Busladung Schweizer Pensionäre teilen. Der Spuk ist jedoch schnell vorbei, die Reiseführerin drängelt, die nächste Sehenswürdigkeit wartet schon. Auf uns wartet nur ein uralter geliehener Mercedes, mit dem wir gemütlich an der schroffen Steilküste entlang tuckern. Einzig limitiert von der Nacht. Die Scheinwerfer sind defekt, daher sollte unser Ausflug besser vor Einbruch der Dunkelheit beendet sein. Für alle Fälle erstehen wir am Ausgang der Basilika Santa Maria de Finibus Terrae zwei Heiligenkärtchen im Kreditkartenformat und klemmen sie hinter die Sonnenblende. Zuhause bekommen sie einen schönen Platz auf unserem multireligiösen „Liebe-deinen-Nächsten“ Altar.

Maria mit Kind zum Aufklappen

Maria mit Kind zum Aufklappen

by Frau K. Reisesouvenirs

Es hat eine ganze Weile gedauert bis wir uns auf unserer Reise nach Griechenland, ins Herz des Pindusgebirges, auf ein Souvenir einigen konnten. Das lag vor allem daran, dass es dort, wo wir unterwegs waren, kaum Geschäfte gab. Die letzten Geschäfte waren uns in Metsovo begegnet. Bestimmt wären wir in den dort zahlreich vorhandenen Souvenirläden fündig geworden, aber so ganz am Anfang unserer Reise schien die Souvenirfrage noch nicht so drängend.

In Zagorochoria, den Dörfern der Region Zagori, waren die Einkaufsmöglichkeiten dann recht eingeschränkt. Alle zwei Tage klappert ein fahrender Tante Emma Laden die 46 Dörfer ab. Der Bäcker macht die Tour jeden Tag. Das war’s. In Monodendri gab es zwar ein paar Souvenirläden, aber die waren bereits geschlossen als wir am späten Abend, nach einer langen Tour, in die Hotelbetten fielen. Und im einzigen Laden, indem ich wirklich gerne etwas gekauft hätte – im Sterna in Kapesovo – bin ich an der unerschütterlichen Großzügigkeit seiner Besitzerin gescheitert. Elli hatte uns eingeladen und dabei blieb es. Wir sind mit vollen Taschen, aber ohne zu bezahlen abgereist.

Und weil geschenkte Souvenirs in unserer persönlichen Definition (die wir vielleicht noch einmal überdenken sollten) nicht zählen, stand unser letzter Reisetag in Ioannina ganz im Zeichen der Souvenirsuche. Trotz des riesigen Angebots dort oder gerade darum fiel uns die Entscheidung nicht leicht. In der Touri-Meile quellen die Läden über von reich verzierten Silbertellern und Tabletts. Leider zu groß und zu teuer für uns. Selbst die zierlichen Silberlöffelchen überstiegen unser selbst gesetztes Budget. Mal abgesehen davon waren sie einfach zu schön.

Für Midlifereisensouvenirs gilt: sie sollen günstig und handlich (oder ess- bzw. trinkbar) sein und einen gewissen Kitsch- oder Trashfaktor haben.

Fündig wurden wir schließlich in einem Devotionalienladen. Ich wollte dort eigentlich (gegen den Willen von Herr L.) ein paar bunte Plastikblumen erstehen (für den Blumenkasten vor unserem schattigen Nordfenster), aber das goldige Marienbild zum aufklappen hat es uns dann beiden angetan. Es stammt aus einer Werkstatt in Ioannina, ist handgefertigt und für seine Größe ziemlich schwer. Der Preis war in Ordnung, im Koffer nahm es kaum Platz weg und an unserer tiefvioletten Küchenwand wird es ganz großartig glänzen und uns immer an die wunderbaren Tage in Zagorochoria erinnern.

Lizzys Hundefutter

Lizzys Hundefutter

by Frau K. Reisesouvenirs

Neulich hat uns die Bahn einen einstündigen Zwischenhalt im schönen Bingen geschenkt. Zeit genug um in der ortsansässigen Metzgerei zwei leckere Spießbratenbrötchen zu kaufen.

(An dieser Stelle unser Tipp für unerfahrene Bahnreisende: unbedingt immer für ausreichend Verpflegung sorgen! Als Faustregel gilt, eine extra Stulle pro Umsteigebahnhof. Sollte der Zug doch mal pünktlich sein, einfach die gewonnene Zeit in Stullenform an das Zugpersonal verschenken.)

Aber zurück in die ortsansässige Metzgerei. Beim entspannten Warten auf die Spießbratenbrötchen (sie wurden extra für uns aufgewärmt) haben wir, direkt neben den Dosen mit Ziegenbratwurst (auf der Banderole eine fröhlich meckernde Ziege), dieses Kleinod gefunden. Zuerst wurde mir ganz Chinesisch. Aber die freundliche Metzgereifachverkäuferin versicherte mir sogleich, dass nicht in allen Dosen drin ist was drauf ist. Lizzy, die Metzgereihündin, sei quicklebendig und würde für ihre Rolle als Hundefutter-Role-Model angemessen entlohnt (nach der Ziege habe ich mich nicht lieber erkundigt). Natürlich musste ich nach dieser beruhigenden Erklärung eine Dose kaufen.

Ein bisschen auch wegen dem wunderbaren Spruch auf der Banderole:

„Dieses Futter hält mich fit,
meine Herrchen kommen kaum noch mit.“

Lizzy hat also Herrchen. Mindestens zwei. Und scheinbar sind die beiden nicht besonders sportlich. Möglicherweise, weil sie selbst zu oft in die leckeren Spießbratenbrötchen beißen. Kann ich ja verstehen. Würde ich auch machen. So direkt an der Quelle. Weil lecker waren die wirklich, so saftig und würzig.

Vielen Dank also liebe Bahn, für diesen gut geplanten Bonusaufenthalt und ein besonderes Dankeschön an den freundlichen Fahrkartenschalterbeamten, ohne den wir nie von der Metzgerei, Lizzy und den Spießbratenbrötchen erfahren hätten.