Die Vikos-Schlucht

Die Vikos-Schlucht

by Frau K.

Laut Guiness-Buch der Rekorde ist die Vikos-Schlucht im Vikos-Nationalpark mitten im griechischen Pindus-Gebirge die tiefste Schlucht der Welt. Zumindest im Verhältnis zu ihrer Breite. Sie ist jedoch in jedem Fall, ganz unabhängig von ihrer Breite, die tiefste Schlucht in die ich bislang geblickt habe.

Eigentlich wollten wir die Vikos-Schlucht durchwandern. Das dauert sechs Stunden und ist eine schweißtreibende Angelegenheit. Es brauchte wenig Überredungskunst von unserem Guide, darauf zu verzichten und statt dessen am Anfang und Ende der Schlucht einen Blick hinein zu werfen. Nach einem anstrengenden Vortag schien uns das sehr vernünftig. In Vikos sind wir den halben Weg zur Schlucht runter (30 min.) und wieder hoch (45 min.) geklettert, damit war unser Bewegungsbedürfnis erst mal befriedigt. Sehr viele Kurven später, am anderen Ende der Vikos-Schlucht angelangt hatten wir es einfacher. Zum Aussichtspunkt Oxia führt ein kurzer Weg ohne Steigungen. Wir hatten auf diesem Weg einen freundlichen Begleiter. Scheinbar verbringt der Hund seinen Tag damit, Touristen bis zum Aussichtspunkt und wieder zurück zum Auto zu begleiten. Statt Münzen nimmt er für diesen Dienst gerne ein halbes Käse-Sandwich oder ein Würstchen. Unsere Taschen waren leider leer, aber er schien sich auch über freundliche Worte zu freuen.

Die beste Zeit für eine Wanderung durch die Schlucht ist der Frühling. Im Mai und Juni führt der Voidomatis, der durch die Schlucht fließt, herrlich klares Wasser und an den Hängen blühen die zahlreiche Wildblumen und Kräuter. Ein völlig anderes Bild bietet die Schlucht im Herbst. Das Flussbett ist über weite Strecken ausgetrocknet, dafür färben sich die baumbewachsenen Hänge in allen Farben.

Fast noch beeindruckender als der Blick in die Schlucht war unser Besuch im Kloster Pareskevi. Hinter dem Kloster führt ein schmaler Pfand direkt an der steil abfallenden Felsenwand der Schlucht entlang. Keine Ahnung wie ich das mit meiner Höhenangst geschafft habe. Ich war jedenfalls mächtig stolz danach.

vikos-schlucht blick von vikos
vikos-schlucht blick von oxia
vikos-schlucht schrein
vikos-schlucht blick von oxia
vikos-schlucht Aussichtspunkt oxia
vikos-schlucht unser guide
weg beim Kloster paraskevi

Das Cafenion in Aristi

Vor unserer Fahrt zum Aussichtspunkt Oxia lag noch ein kleiner Zwischenstopp, den wir nicht verschweigen wollen. In jedem der zagorischen Dörfer gibt es ein Cafenion. Meist mitten im Dorf, nahe der Kirche, am Dorfplatz, der von einer alten Platane beschattet wird. In Aristi gibt es gleich zwei Cafenions. Eines am Dorfplatz und noch ein kleines verstecktes, in das nur wenige Touristen finden.

Es gehört Alexandra. Sie ist in Aristi geboren und hat das Cafenion nach dem Tod ihres Vaters übernommen. Früher, als er noch lebte, war es auf der anderen Straßenseite, ein paar Meter die Straße hinauf. Schon Alexandras Großvater hat in dem kleinen Laden ein Cafenion betrieben und außerdem von Seide über Lebensmittel und Kaffee alles verkauft, was die Dorfbewohner zum Leben brauchten. Im zweiten Weltkrieg wurde das Haus zerstört und dort wieder aufgebaut, wo Alexandra bis heute noch griechischen Kaffee, Bergtee und kleine Speisen anbietet. Sie hat keine eigenen Kinder und war nie verheiratet. Sie sagt, sie sei nicht traurig deswegen, aber während sie es sagt, sieht sie ein wenig traurig aus. Ein wenig, doch dann lächelt sie uns an, bringt uns Kaffee und selbstgemachte Süßigkeiten und bemuttert uns, wie sie es über die vielen Jahre mit allen Dorfbewohnern gemacht hat.

aristi cafenion alexandra
aristi cafenion Bilder
aristi cafenion der alte ofen
aristi cafenion spoonfull sweets
aristi cafenion nippes

Zu Besuch bei Vikos-Doktor Nikos in Koukouli

Am frühen Nachmittag führt uns der Hunger in das Cafenion in Koukouli. Dort zaubert uns Nikos, der sich selbst als Vikos-Doktor bezeichnet, ein leckeres Omelett und einen griechischen Salat. Die Vikos-Doktoren wussten bereits im 18. und 19. Jahrhundert um die Heilkräfte der vielen Kräuter, die im Pindus-Gebirge wachsen. Sie waren weit über die Region hinaus berühmt für ihr medizinisches Wissen. Einige der von ihnen verwendeten Kräuter, wie zum Beispiel Belladonna, werden noch heute für die gleichen Leiden wie damals eingesetzt. Die beiden Vikos-Doktoren Pantazis Exarchou und Zonias sollen sogar um die antibakterielle Wirkung von Pilzen (Penizillin) gewusst haben.

Nikos sammelt und verarbeitet Kräuter aus der Region nach alter Tradition zu Teemischungen und konserviert ihre Heilkraft in selbstgebranntem Tsipouro. Gleich drei verschiedene Tsipouros müssen wir bei ihm probieren. Er lädt mich ein im Sommer wieder zu kommen, dann will er mir alles beibringen was er über die heilsamen Kräuter weiß. Ich verspreche es und würde es auch wirklich gerne tun.

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