Von Santa Maria di Leuca nach Santa Cesarea

Von Santa Maria di Leuca nach Santa Cesarea

by Frau K.

Wir sind zu Besuch bei einem Freund. Ganz im Süden von Italien, im Stiefelabsatz, im südlichen Salento. Ein paar Tage hat Daniel uns in seinem in die Jahre gekommenen Mercedes rumkutschiert. Jetzt muss er wieder arbeiten. Der Wind weht, die Kite-Schüler warten. Damit wir nicht die ganze Zeit im schönen aber überschaubaren Lecce rumsitzen müssen leiht er uns sein Auto. Sein einziger Wunsch: „Kommt zurück bevor es dunkel wird, die vorderen Scheinwerfer sind kaputt.“ Sprach’s und verschwand Richtung Strand.

Uns freut’s. Rumgefahren werden ist toll. Vor allem wenn der Fahrer sich gut auskennt, die Sprache spricht und uns die tollsten Plätze zeigt. Aber alleine fahren ist noch toller. Die Richtung selbst bestimmen, die schönsten Plätze selbst entdecken und sich mit Händen und Füßen verständigen. So fühlt sich Urlaub an.

Unser Ziel ist der südlichste Zipfel im italienischen Stiefelabsatz – Santa Maria di Leuca. Die Fahrt von Lecce nach Leuca verläuft unspektakulär. Wir wählen die Schnellstrasse und fahren durch süditalienisches Niemandsland. Verblichene Farben, gesichtslose Dörfer nur ab und zu ein paar uralte knorrige Olivenbäume. In Leuca dann endlich das Meer. So blau und so weit. Für mich immer wieder ein beeindruckender Anblick. Ich stehe eine Weile an der Balustrade am südlichsten Punkt von Santa Mario di Leuca und starre ins Blau. Herr L. klettert auf den zerklüfteten Felsen herum – er will ein Foto machen auf dem nur Meer und Himmel zu sehen ist. Derweil reisst mich eine Gruppe Radfahrer aus meiner Meeres-Meditation: „Una fotografia per favore.“ Da sag ich doch nicht nein.

Steilküste Salento Leuca
Salento Leuca
Aussichtspunkt Leuca
Leuchtturm Salento Leuca
Radler in Leuca

Das kleine Städtchen Leuca (dessen Name aus den griechischen Wort Leucos für Licht abgeleitet wurde) war Anfang 1900 ein beliebter Ferienort für reiche Süditaliener. Gewohnt wurde in edlen Jugendstilvillen. Dort kann man sich immer noch einmieten. Aber auch für die wenige betuchte Klientel gibt es zahlreiche Übernachtungsmöglichkeiten. Im Mai ist es hier recht ruhig. Internationale Touristen finden selten den Weg so weit nach Süden. Ab und dann hält ein Bus mit Schweizer Pensionären, nimmt eine der Tavernen am Strand in Beschlag und ist schnell wieder verschwunden. Die nächste Sehenswürdigkeit ruft.

Wir nehmen uns Zeit und stärken uns erst einmal mit süßen gefüllten Hörnchen, Espresso und Tee bevor wir uns die hoch über dem Hafen gelegene Basilika Santa Maria De Finibus Terrae, die Kirche am Ende der Welt und den direkt daneben gelegenen Leuchtturm anschauen. Der Wind weht uns hier oben um die Ohren und wir denken einen Moment an Daniel, der sich gerade mit seinen Kite-Schülern abmüht. Kurz spült es eine Busladung Touristen durch die Basilika, dann haben wir sie wieder für uns. Im Vorraum der Basilika finden wir ganz unerwartet ein Souvenir, das wir für die Weiterfahrt im klapprigen Mercedes gut brauchen können.

Kirche Cristo Re in Leuca
Basilika Santa Maria de Finibus Terrae Leuca
Leuchtturm Leuca
Santa Maria de Finibus Terrae Aussenplatz

Wir fahren jetzt auf einer sehr kleinen Straße direkt an der Steilküste entlang. Rechts und links blühen hunderte von Blumen auf den Wiesen, sie gehören zum Parco Naturale Regionale Costa Otranto – S.Maria Leuca – Bosco Trickse (ganz schön komplizierter Name für ein bisschen Grün). Das Meer hat viele Höhlen und Grotten in die zerklüfteten Felswände gegraben. Wer will kann die schönsten mit dem Boot erkunden. Touren werden in jedem Ort an der Küste angeboten. Wir bleiben an Land und halten an wo immer es uns gefällt. Sehr schnell kommen wir auf die Art nicht voran, eine kleine Bucht will ich am liebsten gar nicht mehr verlassen. Fast schon habe ich den Makler angerufen, der eine entzückende Villa zum Verkauf anbietet, alleine mein magerer italienischer Wortschatz hält mich ab und dann ist da noch Herr L., der lieber einen der lustigen kleinen Steinbunker kaufen will, die alle paar Meter in der Landschaft rum stehen.

Blick aufs Meer Salento Steilküste
Treppe zur Badebucht Steilküste Salento
Badebucht Steilküste Salento
Bucht Steilküste Salento
Verkaufsschild Steilküste Salento
Bunker Steilküste Salento

Am späten Nachmittag erreichen wir Santa Cesarea, einen malerischen Ort, perfekt für eine kleine Stärkung. Auf Plastikstühlen genießen wir hervorragende Spaghetti di cozze und blicken verwundert auf ein orientalisch anmutendes Gebäude mit einer unübersehbaren orangenen Kuppel. Die Villa Sticchi, wie ich später im Netz bei „Go South East“ (ein sehr lesenswerter Blog über Italien und Griechenland) erfahre. Den Ort mit seinen wunderschönen Villen hätten wir uns gerne noch länger angeschaut, aber die Zeit drängt. Gegen neunzehn Uhr wird es dunkel und bis dahin müssen wir zurück in Lecce sein.

Gagliano del Capo
Meerblick Salento Steilküste
Angler Steilküste Salento
Alter Leuchtturm Steilküste Salento
Therme Santa Cesarea
Plastikeistüte Santa Cesarea
Küste Salento
Am Meer Italien Salento

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